Ist das Mode oder kann das auch Kunst? – Wenn Haltung aus Fashion ein Statement macht

Man nehme etwas Haltung, naja oder auch etwas mehr, mische sie mit gut durchdachten Designs und einer klaren Vision – und dann kann Mode zweifellos auch Kunst sein, oder? Eine für uns bedeutende Erkenntnis, denn inmitten der Überflutung an neuen Labels können nur die ein Zeichen setzen, die das Kommunikationspotenzial von Fashion erkennen und nutzen. 

Alles geht, nix muss, klingt nach einer reflektieren Einstellung, die weder Grenzen setzt noch Ansprüche stellt. Kein Wunder, dass sich diese Devise wie ein Leitsatz durch die Jahrtausende von Kunstgeschichte gezogen hat, denn was wir von Epoche zu Epoche als Mitwirkende oder Betrachter*innen gelernt haben, ist wohl, dass alles möglich ist, aber nicht sein muss. Wenn ich davon spreche, denke ich automatisch an prunkvolle Gemälde, abstrakte Zeichnungen oder gemeißelte Statuen nackter Menschen aus der Antike, dabei wäre es doch ziemlich unfair, andere künstlerische Arten wie etwa Mode hier einfach außen vor zu lassen. 

So, damit wären wir dann beim lauwarmen Brei, der in der Medienlandschaft zu gerne und immer wieder aufgekocht wird. Auf dem Menü steht zum zigsten Mal die Frage aka hitziger Auslöser diverser Debatten, ob Mode denn nun Kunst ist oder nicht. Klar, Fashion spiegelt den Zeitgeist wider, entsteht aus einem kreativen Prozess, setzt ein gewisses Handwerk voraus und ist letztendlich mehr als nur ein unbedeutendes Stück Stoff, sagen Befürworter. Nö, meinen die anderen, aber leugnen meist nicht, dass zwischen Kunst und Mode eine Art Liaison herrschen mag, weil die beiden schließlich immer wieder miteinander liebäugeln.

Kleiner Spoiler vorab, eine Antwort auf diese komplexe Frage wird es von mir an dieser Stelle nicht geben, dafür aber die Auflösung, was das Ganze eigentlich mit WYST zu tun hat. Was Kunst aller Formen so besonders macht, ist ja ihre Botschaft, die nicht von allen entschlüsselt oder je nach Betrachter*in unterschiedlich verstanden werden kann. Es hört sich kitschig an, aber das bringt einen gewissen Zauber und Raffinesse mit sich, die ebenso in der Fashion-Branche Einzug halten. Kunst kann – zum Beispiel zum Schmunzeln oder zum Lachen bringen, Emotionen wecken, uns gedanklich aus dem stressigen Alltag holen, ganz einfach ästhetisch oder eben auch Kommunikationsmedium sein. Mode kann das auch, muss sie aber nicht, sie kann eine Message haben, auch wenn nicht jeder von uns ihre Sprache spricht, aber gleichzeitig lediglich funktional oder schön anzusehen sein. 

Es ist unter anderem eine Frage des Anspruchs, auf der einen Seite der von den Macher*innen, auf der anderen Seite der von den Konsument*innen. Bei WYST gilt zum Beispiel das Prinzip, Mode nicht einfach Mode sein zu lassen, sondern sie als Kunst zu verstehen, was sich wiederum beim Umgang mit dem Label bemerkbar macht und auf Gründerin Jennifer Weist zurückzuführen ist. Sie erklärt: „Wenn ich eine Firma gründe, dann mache ich das in erster Linie nicht als Geschäftsfrau, sondern als Mensch mit Werten, Ansichten und Vorstellungen, die in diese Firma mit einfließen. Egal, ob eben genau das später zum Erfolg oder Misserfolg meiner Firma beiträgt, ich kann und will die Privatperson Jennifer Weist nicht von der Geschäftsfrau trennen.“ Hallo Transparenz, ein Versteckspiel gibt es hier nicht, denn der Charakter der Personen hinter dem Konstrukt ist maßgebend für den Charakter der Kollektionen. Von der Distanz, die man von manch anderen Brands kennen mag, die eher unpersönlich auftreten, sind wir weit entfernt und rücken stattdessen im Dialog zusammen. 

Kommunikation soll und wird bei WYST auf mehreren Ebenen stattfinden, unter anderem mit den Designs, weil Worte nicht überall ausreichen, aber auch mit dem Blog – für mich ist er eine Art Hände reichen, weil das Sprechen über verschiedene Themen, die uns in der heutigen Zeit und Gesellschaft bewegen, verbindet und weil man mit Reden Vielfalt wortwörtlich leben kann. Aber Everybody’s Darling werden wir damit trotzdem nicht werden, weil es ganz normal ist, dass Artikel und Kollektionsteile auch mal auf negative Reaktionen stoßen. Solange sie wirklich konstruktiv ist, ist es unser Anspruch, auf diese Kritik auch einzugehen – ihr dürft ein Auge darauf haben!

Da sind wir schon wieder beim Thema Kunst, denn damit verbinde ich persönlich Furchtlosigkeit, weil man ab dem Punkt, wo man sie der Welt präsentiert, die Kontrolle abgibt. All das, was man zuvor reingesteckt hat, ist jetzt ungeschützt den Meinungen anderer ausgesetzt und kann missverstanden werden. So sehe ich das irgendwie auch bei WYST, denn mit Jennifer als Gründerin, und das verspreche ich euch, geht es um Ecken und Kanten, darum, kompromisslos Persönlichkeit und Haltung zu zeigen, sich zu positionieren sowie für gewisse Dinge einzusetzen und sich dabei eben auch angreifbar zu machen. Ja, Angst vor Gegenwind hat dann mal den Chat verlassen, weil der Fokus vom Profit zur Authentizität wandert. 

Es wird sie ohne Zweifel geben, die Stimmen, die kritisieren werden, sachlich oder nicht, die ihr Unverständnis oder Missfallen ausdrücken und die eine Bestellung deswegen nicht abschicken – und das ist auch okay so. Denn auch dadurch lernen und wachsen wir, aber, und das ist wichtig an dieser Stelle zu erwähnen, der Kurs von WYST wird sich deswegen nicht ändern. Die Richtung ist klar: Wir sind für ein inklusives und diverses Miteinander, Empowerment, Freiheit für den eigenen Charakter und für Selbstbestimmung, dafür, dass jede*r über sein Leben, Aussehen, Beziehungen, Religion, Beruf, sexuelle Orientierung, Vorlieben, Kleidung und Co. selbst entscheiden kann, dass du sein und dich weiterentwickeln kannst, wie du willst. 

Zwischendurch wird es hier auch, sagen wir mal, etwas Party mit Tiefgang geben, denn wir wollen Womxn feiern, besonders die, die Erstaunliches geleistet, dafür aber nie genug Anerkennung bekommen haben. Die Ampel steht auf Grün, denn wir möchten mit Fairtrade und einer transparenten Lieferkette außerdem den Weg in eine öko-freundlichere Zukunft gehen, die bereits einige Vorreiter*innen lange vor uns geebnet haben. Wir wollen mitreden, auf diesem Blog gesellschaftliche Themen aufarbeiten und Stimmen sprechen lassen, die inspirieren. Kurz gesagt, wir haben uns einfach mal selbst einen Bildungsauftrag auferlegt, denn man gönnt sich ja sonst nix. Zu Mode als Gesamtpaket á la WYST gehören Statements und Werte als Extra-Goodies also mit dazu, Shopping mit Haltung halt – und wenn ihr die Freude daran mit uns teilt, freuen wir uns, euch dabei zu haben!