“Nachhaltiges Handeln ist bei uns fester Bestandteil des Wirtschaftens” – Tom Illbruck, Inhaber von global tactics, im Interview

Es ist nicht einfach nur dahergesagt, dass jedes einzelne Kleidungsstück eine Geschichte hat, denn hinter dem, was wir kaufen und tragen, stecken immer Menschen, die das überhaupt erst möglich gemacht haben. In unserem Fall ist es das Team um die Textilmanufaktur global tactics von Tom Illbruck, der uns im Interview als Partner von WYST Rede und Antwort steht. Wenn ihr also immer schon mal wissen wolltet, was eigentlich hinter den Kulissen einer Produktion passiert bzw. was dabei überhaupt beachtet werden muss und vor allem, inwiefern Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen wirklich umgesetzt werden können, solltet ihr jetzt unbedingt weiterlesen. 

Tom, mit deiner Textilmanufaktur global tactics bist du ja ein wichtiger Partner von WYST, aber viele können sich unter dem Begriff Textilmanufaktur vielleicht gar nichts vorstellen. Deswegen erklär uns gerne zu Beginn, was genau eure Aufgaben sind, damit man eine bessere Vorstellung davon bekommen kann. 

Der Aufgabenbereich ist sehr komplex, wir bieten zum Beispiel ganz allgemein eine Produktionsberatung an, kümmern uns aber auch um die Rohstoffe und das Fertigungs- sowie Veredelungsverfahren. Je nachdem können wir eng im Entwicklungsprozess mit eingebunden sein, sind dann für die Konzeption, Erstellung von Artwork sowie von Schnitten und die Produktentwicklung verantwortlich. Außerdem gehören die Produktionssteuerung, die Produktion von Mustern, das Sourcing, die Zertifizierung, das Qualitätsmanagement sowie Packaging und die Logistik zu unseren Aufgaben. 

Inwieweit wir in die Unternehmensprozesse involviert sind, kann sich von Kund*in zu Kund*in unterscheiden – es kann von der reinen Produktion über das Consulting und Marketing bis hin zur Ideenfindung gehen. Wir haben zum Beispiel auch mehrere hauptberufliche Modedesigner*innen, Grafikdesigner*innen und eine Textiltechnikerin bei uns im Team, um da breit aufgestellt zu sein.  

Ich weiß, dass sich Jennifer Weist für ihr Modelabel nicht einfach irgendeine Textilmanufaktur aussuchen würde, sondern dass eure Philosophie auch eine wichtige Rolle gespielt haben muss. Wie würdest du die beschreiben?

global tactics steht für faire und umweltfreundliche Klamotten aus Europa, angefangen vom Einsatz nachhaltiger Materialien über faire Arbeitsbedingungen bis hin zu einer umweltfreundlichen Produktion und biologisch abbaubaren Verpackungen. Dabei richten wir uns voll uns ganz auf die Wünsche und Vorstellungen unserer Kund*innen aus, egal ob Klamotten, Merchandise, Masken oder Schneeanzüge, wir fertigen fast alles Erdenkliche. Das ist wohl auch der Grund, warum es nie langweilig bei uns wird und wir uns jeden Tag neuen Herausforderungen stellen.

“Fair” und “nachhaltig” sind Begriffe, die heutzutage auch Kund*innen immer mehr am Herzen liegen, aber man muss auch betonen, dass ja jedes Label und jede Produktion anders damit umgeht. Was steckt bei euch dahinter?

Fair heißt bei uns, dass alle Menschen, die an der Wertschöpfung unserer Produkte beteiligt sind, gerecht behandelt werden. Dies umfasst, dass faire Löhne gezahlt werden, die nicht zum Überleben, sondern zum Leben reichen, dass die Arbeit auf Freiwilligkeit beruht und es keine Kinderarbeit gibt. 

Die Nachhaltigkeit von Klamotten beginnt mit ihrer Lieferkette. Um eine möglichst umweltfreundliche und sozialverträgliche Fertigung zu gewährleisten, stehen wir deswegen in direktem und persönlichem Austausch mit unseren Produzent*innen. Es ist uns wichtig, dass wir in unserem Kerngeschäft nachhaltig handeln und so ein möglichst ökologisches, soziales und ökonomisches Produkt erstellen – diese drei Säulen gilt es in gleicherweise zu betrachten. 

Wie lassen sich deiner Meinung nach Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit heutzutage überhaupt vereinbaren?

Nachhaltiges Handeln ist bei uns fester Bestandteil des Wirtschaftens, weil sich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit einander bestärken. Durch einen wirtschaftlichen Blick können Prozesse energie- und kosteneffizient gestaltet werden, gleichzeitig sichert nachhaltiges Wirtschaften unser zukünftiges wirtschaftliches Handeln, da unsere Ressourcen nicht endlich sind. Unser Ziel ist es, unseren Kund*innen ein ökologisch und sozial korrektes Produkt zu dem kleinstmöglichen Preis anzubieten. 

Bei uns im Team war es gleich von Anfang an ein großes Thema, inwieweit man schon nachhaltig sein, aber auch wie man sich künftig noch weiterentwickeln kann. Bei euch ist es ja sogar so, dass ihr als Textilmanufaktur immer nach neuen Ansätzen und Technologien sucht. Wie kann man sich die Arbeit daran vorstellen?

Wir setzen uns ständig mit neuen Fasern, Färbeverfahren, Verpackungen und Standards auseinander, mit dem Ziel, noch umweltfreundlicher und gleichzeitig wirtschaftlich zu fertigen. Zum Beispiel konnten wir mit unserer Produktion in Portugal ein innovatives Färbeverfahren entwickeln, bei dem nur Naturfarben zum Einsatz kommen, die den Einsatz von Chemikalien ersetzen. Ein weitere interessanter Ansatz, mit dem wir uns gerade intensiv beschäftigen, ist “Cradle to Cradle”. Ziel ist die Förderung eines Wirtschaftssystems ohne Abfall und unnötigen Ressourcenverbrauch, was heißt, dass alle Materialien, die in einem Produkt eingesetzt werden, wiederverwertet oder biologisch abgebaut werden. 

Du hast gerade die Produktion in Portugal erwähnt, außerdem lasst ihr in Serbien herstellen. Was steckt hinter der Wahl der Standorte und welche Arbeitsbedingungen herrschen dort?

Der Kontakt zu Portugal besteht schon seit meinem Einstieg ins Textil-Business und der ist sehr bereichernd. Was uns gefallen hat, ist, dass die Produktion innerhalb der EU stattfindet, dass es dort moderne Maschinen gibt und hohe Qualitätsstandards eingehalten werden, außerdem herrschen dort gute Arbeitsbedingungen. Im Rahmen unserer Partnerschaft können wir vor Ort überdurchschnittliche Löhne, soziale Absicherung und geregelte Arbeitszeiten garantieren.   

Die Zusammenarbeit mit der Produktionsstätte in Serbien ist vor rund zehn Jahren durch einen persönlichen Kontakt zustande gekommen. Auch dort gewährleisten wir eine sozialverträgliche und umweltfreundliche Fertigung, unter anderem gibt es ein innovatives Sublimationsdruckverfahren für minimalen Wasserverbrauch, es wird mit OEKO-TEX zertifizierten Stoffen, Garnen und Farben gearbeitet, sodass im fertigen Produkt keine giftigen Chemikalien vorhanden sind, und die textilen Abfälle werden upcycelt, genauer gesagt, werden sie NURDOR, eine nationale Vereinigung von Eltern krebskranker Kinder, zur Verfügung gestellt, um daraus Ketten und Armbänder zu machen. 

Klingt toll. Wie groß sind eigentlich die Produktionsstätten bzw. wie viele Mitarbeiter*innen sind dort beschäftigt?

Die Produktionsstätten haben zwischen fünf und 50 Mitarbeiter*innen, es handelt sich quasi ausschließlich um Familienbetriebe. 

Bist du auch immer wieder mal selbst vor Ort?

Viel funktioniert mittlerweile auch ohne unsere Präsenz vor Ort, da unsere Partner*innen wissen, worauf es uns ankommt und wir unser Quality Management stetig verbessern. Trotzdem sind wir immer wieder dort, um uns zu besprechen, aber auch um die Freundschaften zu pflegen, die im Laufe der Jahre entstanden sind.  

Wir glauben außerdem, dass der beste Weg, um sicherzustellen, dass ein Bekleidungshersteller sein Geschäft nachhaltig betreibt, darin besteht, sich selbst davon zu überzeugen. Obwohl aufgrund der Pandemie jetzt nicht die beste Zeit für Besuche ist, ermutigen wir unsere Kund*innen normalerweise, unsere Produktionsstätten direkt zu besuchen.

Das haben wir künftig definitiv vor. Und noch zum Abschluss, was denkst du, warum global tactics und WYST ein gutes Match sind? 

Wir haben durchaus denselben Anspruch, wenn es um Nachhaltigkeit und Qualität geht, und sind auch mit unserem Mindset auf einer Wellenlänge.